Wie ein notgelandetes Flugzeug, das gerade noch vor dem Eintauchen in den See halten konnte, liegst Du da. Vom Cockpit aus erstrecken sich weite gruene Flaechen bis hin zu eben diesem Ufer und erst auf der anderen Seite hat es wieder Haeuser. Auch in Dir drinnen hat es im Rumpf keine Menschen, was doch ein Unterschied ist zu herkoemmlichen Flugzeugen. Bei Dir befinden sich die Leute in den Fluegeln und dort, so glaubt man zumindest nach einem kurzen Besuch, lohnt es sich tatsaechlich zu leben.
Dein eigentliches Herz ist aber die Eixo Monumental, Dein Rumpf, wo der Verkehr pulsiert, die Distanzen groesser sind, weite Wiesen sich zwischen den Strassen erstrecken und unzaehlige markante Baumwerke zu sehen sind. Auf Hoehe der Fluegel zaeumen Hotels Deinen Rumpf und just beim Schnittpunkt Deiner West-Ost und Nord-Sued-Achse (also dem Schnittpunkt Deines Rumpfes und Deiner Fluegel) liegt der MIttelpunkt Deines Nahverkehrsystems, die Rodaviária. Hier kreuzen, treffen und stauen sich die unzaehligen Busse, nur um etwas spaeter wieder in alle vier HImmelsrichtungen auszuschwaermen. Und von hier erreicht man schnell den TV-Turm mit der Aussichtsplattform, die einem erlaubt, Dich in Deiner ganzen Groesse zu betrachten. In die Gegenrichtung gehend kommt man zur Nationalbibliothek, zum Nationalmuseum und dann zu Deiner beruehmten und eigenstaendig gebauten Kathedrale; allesamt Bauwerke, die dich so speziell machen, die einen Besuch rechtfertigen. Weiter in Richtung Cockpit schlendernd lassen sich die Schaltstellen des Staates erblicken. Zur Rechten und Linken liegen die verschiedenen Ministerien, die Dir zum Ruf der Hauptstadt verhelfen. Am Ende dieser Staatsalle steht das Justizministerium, natuerlich in einem gesonderten und bauwerklich nennenswerten Gebaeude (man weiss auch in Brasilien, was den hoechsten Stellenwert und entsprechendes Bauwerk verdient hat). Als vorderster Punkt und ergo die Nase des Flugzeug bildend dann die Praça das três Poderes, die mit Nationalflagge bestueckt sein muss, um dem Platz etwas majestaetisches zu verleihen.
Welch wunderbare Begebenheit, hier mitten auf der trockenen Hochebene, wo noch vor 60 Jahren Wildnis herrschte. Und so speziell Du bist, so grossartig und anspruchsvoll Deine Konzipierung der Herren Costa und Niemeyer und so gelungen die Ausarbeitung und Realisierung auch sind, so bist Du auch leer, unlebendig und monoton. DIe Groesse des Eixo Monumental verkommt zur oeden Weite, die Fussgaenger kommen sich als winzige Gestalten in einem grossen Gebilde vor, wie uebergangen und vergessen; der Verkehr dominiert. Das Leben fehlt, alles wirkt ploetzlich wie Fernsehfassaden, aufgestellt fuer den Film ueber eine Modell-Hauptstadt. Vielleicht ist dies aber auch gewollt und bewusst so gedacht, denn an den zentralen Achsen bestimmen ja auch die Politiker, die hier in Brasilien den Ruf von unwirklichen, abgehobenen und vom Volk entfernten Menschen haben, den Rhythmus.
Und doch, die Bewohner moegen Dich! Immerhin leben sie in Dir, zumindest in den Fluegeln. Hier ist das Leben fast nicht zu unterscheiden von anderen Staedten in diesem Land. Daher kann es so schlimm um Dich auch wieder nicht stehen. Und Sport treiben Deine Bewohner jedenfalls mehr als in anderen Orten. Denn ich sah Jogger und einen Gymnastikpark entlang der Eixo Monumental, wo sich tatsaechlich Menschen abrackerten und ihre Muskeln staehlten. Und zuletzt sah ich auf Deinem Stadtgebiet zwei Drittel aller bisher in Brasilien gesehenen Radfahrer mit Rennvelo und Tenue; das sind bemerkenswerte zwei von drei (angemerkt sei, dass es sich dabei um Radfahrer in sportlichem Sinne handelt, nicht solche die zur Arbeit fahren oder sonstigen Unfug auf den Strassen treiben, denn von denen gibt es mehr als drei in Brasilien, viel mehr!).
Brasília, als ich das erste Mal von Dir hoerte, Dich kennenlernte, war ich noch klein und in der Schule. Du warst eine komische Haupstadt irgendwo im Hinterland von Brasilien im Dschungel (Dschungel musste es einfach haben, weil das Hinterland von Brasilien bestand fuer mich nur aus Dschungel). Die Staedte, die ich kannte, waren Rio de Janeiro und vielleicht noch São Paulo und diese waren unbegreiflicherweise nicht die Hauptstaedte. Jetzt ist mir aber klar, dass Du die einzige richtige Hauptstadt fuer Brasilien bist, nicht nur wegen dem Namen. Alles passt, ueber die skurilen und traumwandlerischen Bauwerke bis hin zur Planung und Lage der Stadt. Du hast es verdient, es kann nur Dich als Hauptstadt eines solchen, selber unreal grossen, Staates geben.
sláinte
April 28, 2008 um 11:29 |
Ignite esch super gsi, gaschessel au, 1.- förs mineral und 2.- förs coci und 20.- förs konzert….nor di 30.- förs t-shirt hebed sich chli ab
hf
Mai 4, 2008 um 4:16 |
sehr schoen, de gaschessel isch ebe so en linke alternative ort, det isch s lebe ebe na billig…freu mich flogging molly
sláinte