Sommer…

By goldfischmichael

Endlich kann das schweizerische Sommertheater mit dem Armeechef in der Hauptrolle und seinem vorgesetzten Bundesrat in einer wichtigen Nebenrolle ad acta gelegt werden. Die Vorhänge sollen nun endlich gezogen werden, der Hauptdarsteller wird abtreten und der produzierte Rauch wird bald verzogen sein.

Aber: Es ist äusserst amüsant, die Berichterstattung in den Medien zu verfolgen. Was nicht alles gehört, gesehen und – wohl hauptsächlich – daraus interpretiert worden ist… Die tatsächliche Faktenlage wird irgendwann in der näheren Zukunft vielleicht noch einige Juristen beschäftigen, mehr nicht. Das raubtierartige Interesse der Journalisten an Neuigkeiten im Fall Armeechef wird sich bis dahin an anderen Aktualitäten festgekrallt haben.

Irgendwie werde ich daher das vage Gefühl nicht los, über die letzten Wochen Zeuge einer Demonstration der Macht der Medien geworden zu sein. Es zeigte sich – einmal mehr? -, wie einfach eigentlich die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Meinung beeinflussbar sind. Erst noch hat der (ehemalige) Armeechef in vorbildlicher Weise das Unglück auf der Kander bewältigt und in breiten Kreisen Wohlwollen geerntet. Kurze Zeit später veröffentlichte ein Medium einige brisante Details über sein Bewerbungsprozedere und die Spirale begann sich immer schneller zu drehen; bis sie eben gestern praktisch wieder zum Stillstehen kam.

Es ist dabei einerseits erstaunlich, wie schnell ein Meinungsumschwung bei vielen Menschen stattfindet. So schnell, dass man wohl mit Fug und Recht sagen kann, er habe in den allermeisten Fällen nicht auf effektiver Faktenkenntnis beruht, sondern er sei vielmehr dem Richtungswechsel in den Medien gefolgt. Windfähnchenverhalten wurde dies an anderer Stelle auch schon genannt.

Auf der anderen Seite wurde im Verlauf der letzten Wochen vorgeführt, welche immense Kraft und Macht die Medien auch in der Schweiz ausüben können. Dies hat nun in letzter Konsequenz zum Rücktritt des Armeechefs geführt – ob dies aufgrund seiner Vergehen, die selber Bestandteil der Untersuchung und keineswegs restlos geklärt sind, gerechtfertigt ist oder nicht, sei dahin gestellt. Es zeigt aber eben genau den schmalen Grat, den Journalisten begehen, wenn sie infolge Recherchearbeiten in investigativer Art und Weise Brisantes an die Öffentlichkeit befördern. Sehr schnell sind daraufhin die Meinungen gemacht – unabhängig von der wahren und tatsächlichen Faktenlage. Seriöser Journalismus sollte sich aber zuerst immer die Frage nach den Folgen einer Veröffentlichung stellen, auch wenn es anhand der absehbaren Resonanz und der höheren Auflage verlockend ist, diesen Schritt zu überspringen. Denn Ziel darf es nicht sein, mit Hilfe der (manipulierten) Volksmeinung eine Art Lynchjustiz zu verüben und einem unpassende Personen abzuschiessen.

Zum Glück für die – nach Abarbeitung des Armeetheaters – nach neuen Themen lechzenden Zeitungen hat sich just vor dem letzten Akt der oben erwähnten Tragödie der Vorhang für eine neue Sommerkomödie geöffnet: Unerwartet liefern die Polizeiaktionen von vor einer Woche in einem Genfer Nobelhotel die Grundlage für ein sich abzeichnendes Lustspiel. Man kann gespannt sein, was für Akte uns in diesem Stück noch erwarten…

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