14. Open Air Gränichen

By goldfischmichael

Grundsätzlich gibt es auf einem Open Air Menschen unter freiem Himmel. Einige davon machen Musik, was wiederum andere animiert, an die frische Luft zu gehen.  Diese anderen zelebrieren dann erstere, manchmal auch unter gütiger Mithilfe von Alkohol oder sonstigen Substanzen. Weil Menschen, die gute Musik machen mich hin und wieder auch an die frische Luft zu locken vermögen, machte ich mich – zum wiederholten Male und wie immer in fachkundiger Begleitung – auf ins Moortal bei Gränichen: Open Air Gränichen!

Freier Himmel bedeutet auch, dass zumindest die ungedeckten (ganz unbedeckt sind auch Open Airs nicht) Bereiche des Festivalgeländes nass werden, sollten Regentropfen vom Himmel fallen. Und da das Open Air Gränichen speziell für solche Situationen geeignet zu sein scheint, verwandelte auch gestern ein kurzer aber umso heftiger Regensturz ein schon etwas angefeuchtetes Terrain vollständig in einen weichen, braunfarbigen und teils schwierig begehbaren Untergrund. Doch genug der Geschichten und Erklärungen. Im Folgenden möchte ich mich kurz zu Musik und Menschen an der diesjährigen Ausgabe äussern.

Zur Musik lässt sich folgendes sagen: Das Open Air fängt für uns mit Freakuency (einmal mehr musikalisch äusserst überzeugend) an. Die Ausrufe des Sängers von Angry Bastard (die Metalband aus der Dorfkneipe) bestaunen wir von einer überdachten Bank aus. Bei Slimboy (das muss eine ausserordentlich berühmte Band sein, die es sich leisten kann, auf ihrem liebsten Open Air nur gerade 30 Minuten zu spielen) fehlt uns das Einfühlungsvermögen in die Ironie des Sängers, was uns mit Stirnrunzeln zurücklässt. Solid Ground (astreiner Hardcore, der leider bald der Vergangenheit angehören wird) aus Winterthur verwandeln auch böse Hardcorejungs aus der Stadt in schlammstampfende Bauern auf dem Feld; wir halten uns vornehm zurück. Dr. Woggle und sein Radio (doch eher Ska als Rock, mit viel Gebläse und dem Wohlfühltouch für hippige Festivalstimmung) weiss meiner Begleitung besser zu gefallen als mir, obwohl auch die Begleitung auf der Bank sitzen bleibt. No Fun At All (die Altmeister des melodiösen Punks zaubern ein wahres Feuerwerk an Geschwindigkeit und Energie in die Nacht) machen einen wunderbaren Schlusspunkt, den wir stehend in freudiger Erregung über uns ergehen lassen. Für Cataract (liefern ganz sicher eine einwandfreie Show) fehlt uns das Stehvermögen, wobei die Temperaturen das ihre dazu beitragen, dass wir uns schon vor ihrem Auftritt auf dem Rückweg befinden.

Zu den Menschen lässt sich sagen: Eine Ansammlung verschiedener Menschen aus verschiedenen Wohnorten, verschiedener Altersklassen mit unterschiedlichen Absichten und Musikgeschmäckern wühlen die zum Open Air Gelände einzäunte Wiese in ein Schlammfeld um. Einige „gruusige Drecksieche“ (Zitat des Gitaristen von Angry Bastard, deutsche Übersetzung nicht möglich) eröffnen nach dem erwähnten intensiven Kurzschauer das Trauerspiel. Sie finden sichtlich grosse Befriedigung, sich im Schlamm zu suhlen – normalerweise machen das Schweine und nicht Menschen, letztere zumindest nicht freiwillig. Dieses Schauspiel steckt bald weitere Personen an – von Kinder über Betrunkene bis hin zu Teenager-Models und zieht sich bis zum Einbruch der Dunkelheit hin. Danach wirds etwas gesitteter. Man muss jetzt nicht mehr zwingend mit Schlamm um sich werfen, denn das (die Aktion wie auch die Dreckflecken auf den Kleidern) sähe jetzt sowieso niemand mehr. Erstaunlicherweise hat sich das Open Air Gränichen wohl als Dorffest etabliert. Neben den einschlägigen Gesichtern, die aus einschlägigen T-Shirts schauen und so ihre Anwesenheit begründen, gibt es ausserordentlich viele (sehr) junge Gäste, die normalerweise nicht auf dem Feld anzutreffen sind. Diese Gäste lassen bei mir einen etwas schalen Nachgeschmack, denn dass sie nicht wegen der Musik hier sind, ist offensichtlich. Sie füllen zwar das Festivalgelände und sorgen so für Einnahmen, die bei den Organisatoren sicherlich willkommen sind. Aber bei einem Open Air gehört für mich eben die Musik zum essentiellen Bestandtei. Wenn nur noch das Sehen und Gesehenwerden im Zentrum stehen, kann man die Bühne auch weglassen und dem Ganzen zum Beispiel den Titel „Botellón“ geben.

Doch das Open Air Gränichen bleibt trotz dieser Nebenwirkungen einfach ein gemütliches und feines Open Air. Daran gibt es nichts zu rütteln. Eigentlich bräuchte es zur Perfektion nur noch schönes Wetter. Wobei es beim Open Air Gränichen genügt, wenn sich die Sonne nur alle paar Jahre übers ganze Wochenende zeigt. Denn hingehen tut man auch bei schlechtem Wetter.

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2 Antworten zu „14. Open Air Gränichen“

  1. Joder sagt:

    es esch öbrigens mis 6. OA Gräniche gsi! passt…

  2. goldfischmichael sagt:

    bi mir glaubs au, wege einisch ned wo du und einisch wo du ned

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