Süffisantes hat sich kürzlich ganz in der Nähe zugespielt:
Zu einer vielbedeutenden Wahl haben sich Dutzende von Tieren versammelt. Wie Ameisen sind sie umhergekrochen, umgarnt von einer ganzen Reihe Affen und Äffchen mit lustigen Kameras, Mikrophonen und Schreibutensilien, die ihnen auf Schritt und Tritt gefolgt sind, immer darauf bedacht, ja keine der vielen Ameisen zu vertrampeln. Und dies ist gar keine so einfache Aufgabe, angesichts der schieren Menge an Ameisen.
Nun gut – wenn man ehrlich ist, sind es so viele Tiere auch wieder nicht. Zumindest ist ihre Anzahl in grossen dicken Büchern, die von grossen und schwerfälligen Flusspferden gehütet werden, festgeschrieben. Dort drin ist auch vermerkt, welchen Tieren es gestattet ist, sich wo und wann zu versammeln und was sie dann beschliessen und entscheiden dürfen. So steht auf irgendeiner Seite der Grund geschrieben, weshalb sich alle versammelt haben: Beim Rücktritt eines Tieres aus dem Ausschuss der Tiere müssen jene, denen es gestattet ist, sich zu versammeln und Beschlüsse zu fassen, zusammenkommen und ein Tier als Nachfolger wählen.
Einige Tiere finden eine solche Wahl ausserordentlich, denn die Macht des gewählten Tieres steigt um ein Vielfaches, sein Ansehen ebenso und weit herum wird nach der Wahl auf jede seiner Bewegungen geschaut. Andere Tiere wiederum finden, dass lediglich aus einer Maus ein Elefant gemacht werde und wenden sich empört ab, manche tauchen gar gänzlich ab, andere stecken nur ihre Köpfe in den Sand.
Die zur Versammlung zugelassenen Tiere sind jedenfalls aus allen Enden und Ecken herbeigeströmt – nicht alle gleich erfolgreich: Der mächtige Löwe mit der weissen Vordertatze schaffte es zum Beispiel nicht bis zum Versammlungsort, er wurde von einem wildernden Menschen fast abgeschossen und konnte nicht mehr rechtzeitig zur Wahl erscheinen. Ein anderer musste die Folgen einer Behandlung durch den Bären im weissen Gewand auskurieren. Viele weitere haben aber den beschwerlichen Weg hinter sich gebracht und freuten sich in grosser Erheiterung auf die Wahl. Diese Erheiterung wurde zusätzlich von den erwähnten Affen und Äffchen bis zum Exzess geschürt, sodass eine schon fast gereizte Stimmung herrschte.
Man muss wissen, dass die Affen und Äffchen zur Berichterstattung im ganzen Tierreich berufen worden sind. Und ihre Aufgabe ausserordentlich ernst nehmend versuchen sie auch alles Mögliche und Unmögliche über die versammelten Tiere zu berichten. Insbesondere die bevorstehende Wahl wurde in allen möglichen und unmöglichen Ausgängen durchgespielt, verworfen und unter neuen Vorzeichen abermals durchexerziert.
Die Gruppe der Tiere von der sonnigen Seite des Tierreiches hatte zwei mögliche Tiere zur Wahl vorgeschlagen und hoffte natürlich, dass diese gewählt werden würden. Mit grossem Ausrufen gedachten sie den grossartigen Taten, die die beiden Kandidierenden in der Vergangenheit vollbracht hatten und verbreiteten die ungeheuerlichsten Geschichten, die ihre beiden besten Pferde im Stall angeblich erlebt hatten. Da nicht alle Tiere gleicher Meinung sind, gibt es natürlich auch Stimmen, die den beiden Pferden die Erfolge absprechen. Vor allem die Tiere von der Seite, wo die Sonne etwas weniger scheint, es dafür etwas grüner ist, schlugen deshalb schon im Vorfeld ein Pferd aus den eigenen Reihen vor. Dieses spricht nicht nur eine andere Sprache, es hat auch Beschwehrlichkeiten beim Traben zu überwinden, und – seine Mähne gilt als die schönste im ganzen Tierreich, was viele Neider nach sich zieht. Keine einfache Ausgangslage also für dieses Pferd; fast meint man, es müsse mit erheblichem Rückstand zur Wahl starten.
Die Affen und Äffchen haben sich im Vorfeld alle Mühe gegeben für Spannung zu sorgen, obwohl eigentlich vieles auf die Wahl des jüngeren der beiden Pferde der Gruppe der Tiere von der sonnigen Seite des Tierreiches hindeutete. Doch pflichtbewusst wie die Affen und Äffchen sind, sind sie nie müde geworden, unter den versammelten Tieren neue Pferde zu entdecken, die sie dann in ihren Berichten als mögliche Aussenseiter und Spätzünder anpreisten und die so plötzlich im Mittelpunkt ihrer Berichterstattung standen. Dies machte alle Tiere in erheblichem Masse nervös und gereizt. Hauptsächlich das Wissen um die beste, sinnvollste und für das Tierreich geeignetste Art, den Ausschuss der Tiere zu bilden, wird von allen Tieren gleichzeitig in Anspruch genommen. So schwierig diese Frage zu beantworten ist, sicherlich kann nicht jedes Tier Recht haben. Und wer nun Recht hat oder nicht, respektive was nun die beste Lösung zu sein habe, ist wiederum im Aufgabenbereich der Affen und Äffchen, die sich für einmal auch nicht einig sind, zu suchen.
Um den lauten Tönen ein Ende zu setzen, macht man sich eines verschneiten Morgens – unzählige Tage des Aufeinandereinredens waren vorübergezogen – daran, das neue Mitglied des Ausschusses der Tiere zu wählen. Unter Surren der Kameras schreiten die versammelten Tiere zur Wahl. Diese hat nach einem vorgeschriebenen Ablauf zu geschehen, welcher ebenfalls von den Flusspferden als Hüter der dicken Bücher überwacht wird. Während der Wahl zeigen sich dann die Auswirkungen des Geplänkels der Vortage: Viele Tiere sind äusserst einfallsreich und provozieren kleinere und grössere Spielereien.
So kommt es, dass erst in der dritten Wahlrunde ein Sieger erkoren werden kann und auch dann nur ganz knapp, nämlich mit nur einer einzigen Stimme Vorsprung. Als das ranghöchste Tier- seineszeichen ein etwas eitles Huhn, das sich gerne jünger gibt als es ist – das Resultat verkündet, vernimmt man bei den Tieren von der sonnigen Seite des Tierreiches zufriedenes Blöcken. Vor allem die Schafe freuen sich enorm über das Vollbrachte und stimmen einstimmig in das Siegergeblöcke ein. Auf der anderen Seite sind hingegen gar keine Laute zu vernehmen. Neben den Tieren von der grünen Seite des Tierreiches trauern vor allem auch jene aus den Gebieten der hart arbeitenden Tiere und einige jener Tiere, die für die ans Passionskreuz glaubenden Tiere versammelt sind, still vor sich hin; kein Pfiff, kein Jaulen, kein Gebell, nichts ist zu vernehmen.
So hat es sich also kürzlich im grossen Tierreich zugetragen. Geändert hat sich durch die Wahl nicht viel. Warum auch? Der Ausschuss besteht aus sieben Tieren, das neu gewählte hat also einen so grossen Einfluss auch nicht. Zudem trinkt auch das neue Pferd nur Wasser.
Immerhin: Beim neuen Pferd soll es sich um einen ausgesprochenen Kenner von Gräsern handeln. Dies wiederum sollte eigentlich in Zukunft die Zusammenarbeit mit jenen Tieren, die sich auf den Wiesen des Tierreiches weiden, erleichtern…
Dezember 17, 2008 um 7:57 |
Hoi.
So jezt weisi dank dir au no was i de Schwiiz so wuerkli passiert. Mir choemed am 22 Dez hei. Freu mi uf Schwiizer Biir… Wa machsch du jezt eigentli so? I meld mi den mal weni dihei bin. Gruess us Guatemala